Bio-Bienen über Berlin

 

„Die Bienen sind so etwas wie unsere Kinder“, sagt Chrisada und erntet große Zustimmung, sie müssen gehegt und gepflegt werden und sind das wichtigste überhaupt. Denn ohne sie, fügt Mascha hinzu, „würde es das Ganze hier nicht geben“.
Chrisada und Mascha machen eine Ausbildung zur Kaufmännischen Assistenz an der Emil Molt Akademie in der Monumentenstraße in Berlin Schöneberg. Gemeinsam mit den anderen Schülerinnen und Schülern des ersten und zweiten Lehrjahrs betreiben sie die Schülerfirma Berlin Bees.

 

Honig, Kerzen und Kosmetika

Drei Bienenvölker beherbergen die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer zurzeit auf dem Gelände ihrer Schule. Aus dem Nektar produzieren sie Honig, Kerzen und nachhaltige Kosmetika wie Lippenbalsam und Handcreme. Verkauft werden die Produkte mit großem Erfolg auf Märkten und Veranstaltungen.
Die Schülerinnen und Schüler halten viel von ihren Bienen. Denn „eigentlich leisten sie mehr als wir“, sagt Vincent,„sie arbeiten und wir nehmen ihnen das, was sie erarbeitet haben einfach weg“. Aber – und das ist den Jugendlichen wichtig - „wir lassen ihnen so viel Honig übrig, dass sie selber auch damit arbeiten können.“. Die Jugendlichen nehmen nur den Überschuss.

 

Nachhaltig und wesensgemäß

Die Bienen der Berlin Bees sollen so natürlich wie möglich leben dürfen. „Viele Imker behandeln ihre Bienen nicht gut,“ erzählt Noah, da werden Flügel getrimmt, männliche Exemplare aussortiert und die gesamte Ernte weggenommen. Die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer der Berlin Bees wollen das nicht. Wie sie in ihrem neuen Imagefilm anschaulich beschreiben, greifen sie nicht oft in die Privatsphäre der Bienen ein und „wenn doch, dann klopfen sie an.“ Die Schülerfirma ist deshalb auch Mitglied bei Mellifera e.V. – einem Verein für Mensch, Biene und Natur, der sich für eine wesensgemäße Haltung von Bienen einsetzt.

 

Doch Nachhaltigkeit hört für die Berlin Bees nicht bei einer wesensgemäßen Haltung der Bienen auf. Die Schülerinnen und Schüler achten außerdem darauf, was und wo sie für ihre Produkte einkaufen. „Über die Zulieferungskette haben die Jugendlichen sich sehr viele Gedanken gemacht“, bestätigt Yvonne Walther, Lehrerin für Wirtschaft, Rechnungswesen und Schülerfirma an der Emil Molt Akademie stolz. Sodass die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer unterdessen nur noch biozertifizierte Rohstoffe kaufen - von Händlern, bei denen wirklich transparent ist, wo die Ware herkommt.

 

„Wir sind eine Genossenschaft, das heißt alle haben das gleiche Mitspracherecht“, erklärt Noah, denn „wenn man schon eine nachhaltige Firma ist,“ sollte sich das auch in der Mitarbeiterpolitik widerspiegeln, finden die Schülerinnen und Schüler. Die Berlin Bees sind da wirklich sehr genau – selbst ihre Bank ist sozial-ökologisch.

 

Gemeinwohl-Zertifikation

Gerade sind sie dabei, sich ihr ethisches Unternehmensmodell von der Gemeinwohlökonomie Berlin-Brandenburg e.V. zertifizieren zu lassen. Das Wichtigste daran, findet Yvonne Walther, ist nicht das Zertifikat, sondern der Prozess: „dass man sich selber einschätzt und kontrolliert.“ So kann man nur besser werden.
Auch die Jugendlichen nehmen die Nachhaltigkeit ihrer Firma sehr ernst und sind stolz darauf. Erst
vor Kurzem haben sie in der Mitgliederversammlung gegen die Kooperation mit einer anderen Schülerfirma gestimmt, die sich zwar auch mit Bienen beschäftigt, aber kein Interesse an Nachhaltigkeit gezeigt hat.

 

Und das obwohl auch einige der Berlin Bees privat erst mal keinen Bezug zu Nachhaltigkeit hatten. „Ich bin son null nachhaltiger Typ, wenn ich ehrlich sein soll “, sagt Yakub und lacht, aber durch die Arbeit in der Schülerfirma, „habe auch ich ein nachhaltiges Gewissen bekommen. Das ist schon was tolles.“
„Viele Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Assistenz Klassen denken erst mal ans Geld verdienen, also profitorientiert“, pflichtet Noah ihm bei. Sie wollen eine Firma machen, um Geld zu verdienen. „Bei vielen entsteht aber – ob sie wollen oder nicht – durch die Schülerfirma ein Bewusstsein für das Nachhaltige“ und das würden sie später im Beruf auch anwenden, da ist sich Noah sicher. „Schließlich kennen wir ja jetzt die Folgen.“

 

Praktische Erfahrungen

Die Arbeit in der Schülerfirma ermöglicht es den Jugendlichen ihr Wissen anzuwenden, Neues zulernen und praktische Erfahrungen zumachen, erklärt Adrian Staudacher, Lehrer an der Emil Molt Akademie und neben Yvonne Walther Mitbegründer der Berlin Bees. „Wir kommen raus aus dem Theoretischen“, bestätigt Jakub „und können auch mal wirklich was machen.“
Genauso wie die anderen Schülerinnen und Schüler ist auch Larissa von dem Konzept überzeugt: „Seit ich in der Schülerfirma bin, hab ich einfach mehr Wissen und bin auch stolz darauf, anderen Leuten davon zu erzählen.“ Die Arbeit in der Schülerfirma macht auf jeden Fall Spaß, ergänzt Noah und erzählt begeistert von den Messen, Innovationstagen und Workshops, die sie gemeinsam besuchen.
Im letzten Jahr haben sich die Jugendlichen zum Beispiel mit dem Imker Heinz Risse getroffen, der ihnen alles Wissenswerte über Krankheiten wie die Varroamilbe erzählte. Auch die Seminare der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung heben die Schülerinnen und Schüler hervor – hier lernen sie Nützliches rund um das Thema Schülerfirma und treffen außerdem Jugendliche von anderen Unternehmen. Das ist immer spannend.

 

Als Nächstes fahren die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer nun zu der 9. Internationalen Schülerfirmen-Messe. Ende Februar treffen sich im FEZ-Berlin Schülerfirmen aus ganz Europa. Die Berlin Bees möchten ihre Produkte verkaufen und freuen sich besonders auf den Austausch mit den anderen Jugendlichen.
Denn die Berlin Bees wären nicht die Berlin Bees, wenn sie nicht voller Pläne für die Zukunft stecken würden – ein paar Anregungen und Tipps von anderen können da nur helfen. So wollen sie zum Beispiel ihren neuen Foliendrucker in Betrieb nehmen, um nachhaltige Getränke-to-go-Becher mit ihrem Logo zu bedrucken. Im Frühjahr wollen sie einen bunten Garten rund um ihre Bienenstöcke anlegen. Und auch einen Onlineshop wollen sie endlich eröffnen.

 

Interview von Senem Kaya

© Senem Kaya

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